Tideelbe - rauf, runter und rauf! 2011

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Tideelbe – rauf, runter und rauf! Nun, die ganze Tideelbe sind wir nicht gepaddelt – was in zwei Tagen schwerlich zu schaffen ist. Ausgesucht haben wir uns unterhalb von Hamburg den Abschnitt zwischen Hanskalb- und Pagensand. Bei beiden Inseln handelt es sich um Naturschutzgebiete, die an begrenzten Stellen betreten werden dürfen und auf denen man auch für eine Nacht in kleinen Zelten übernachten darf. Ebbe und Flut bestimmen hauptsächlich die Fahrtrichtung und den Tagesablauf, es sei denn, man entscheidet sich wie wir, bewusst teilweise gegen den Tidestrom anzupaddeln. In die Elbe einsetzen wollten wir eigentlich bei Cranz am Este-Sperrwerk, aber die dortigen sehr begrenzten Parkmöglichkeiten machten diesen Plan zunichte. Wohnmobile dort abzustellen ist wegen fehlender Parkplätze nicht möglich und Autos, die länger als zwei Stunden dort parken werden unverzüglich kostenpflichtig abgeschleppt! Gleiches gilt für Wohnmobile. Bekanntlich kann eine solche Aktion sehr teuer werden. Folglich hieß es für uns, nach einer Alternative zu suchen. Acht Kilometer Elbe abwärts bietet sich in 21635 Borstel die nächste und gute Gelegenheit, im Wohnmobil, Auto oder im Zelt kostenlos übernachten zu können und im dortigen Yachthafenbereich in die Elbe einzusetzen. Autos und Wohnmobile können ohne Gebühr auf dem Park- oder Wohnmobilplatz tagelang abgestellt werden. Weiterhin kann man gegen eine Gebühr von zwei EURO im Sanitärbereich vom Deichcafé Möwennest duschen. Die Toiletten können bei geöffneten Türen kostenlos benutzt werden – also ein geeigneter Startpunkt für Unterelbetouren! Wie gesagt, eigentlich wollten wir acht Kilometer weiter oberhalb auf die Elbe gehen und von dort mit dem Ebbstrom und einer Zwischenrast auf dem Hanskalbsand stromabwärts bis zum Pagensand paddeln. Flexibel wie wir sind, schalten wir um auf einen Start stromauf zum Kenterzeitpunkt Tidehochwasser. Ziel ist, bei langsam einsetzender Ebbe gegen den Strom die Insel Hanskalbsand stromauf zu umrunden. Die max. Strömungsgeschwindigkeit von bis zu 3,9, km/h erreicht der Tidestrom etwa zwei -drei Stunden nach dem Kenterpunkt, so dass wir auf den acht Kilometern nicht allzu sehr gegen den Ebbstrom anpaddeln mussten. An der Backbordseite liegt Hanskalbsand mit seiner Auenlandschaft, an Steuerbord begleiten uns der Deich und im Außendeichsbereich gelegene Busch- und Baumgruppen. In der Ferne ragen die Hallen von Airbus in Finkenwerder über den Deich. Von einer Seeschifffahrt ist auf diesem Abschnitt nichts zu sehen, da die Insel die Sicht versperrt. Dieses ändert sich schlagartig nach der Umrundung der östlichen Spitze des Hanskalbsand. Mit dem Ebbstrom und Rückenwind fahren wir nun außerhalb der Fahrrinne am Hanskalbsand entlang, betrachten und bestaunen Boote und Schiffe unterschiedlichster Art. Angesichts der großen Containerschiffe kommen wir uns recht klein vor! Kurz vor dem westlichen Zipfel des Hanskalbsand gehen wir im Bereich eines weit zerfallenen Anlegesteges an Land. Das herrliche Wetter und die bisherigen Anstrengungen veranlassen uns, hier unsere Zelte aufzubauen. Eine wunderschöne Zeltmöglichkeit ist schnell zwischen Wald und Abbruchkante des Sandstrandes gefunden. Dieser Standort kann ohne Zweifel mit einem Logenplatz im Kino oder Theater verglichen werden. Vor uns läuft das „pralle Boots- und Schiffsleben“ auf der Elbe ab. Vom Kajak, Schlauch-, Segelboot über Motorboote aller Art, Fähren, Binnenschiffen, Küstenmotorschiffen (Kümo), Schleppern, Dienstschiffen der Wasserund Schifffahrtsverwaltung, der Wasserschifffahrtspolizei bis hin zu den verschiedensten seegängigen Frachtschiffen fahren an uns vorbei. Immer wieder greifen wir zu unseren Ferngläsern um nähere Einzelheiten an Bord zu erkennen oder um wieder festzustellen, dass der vorbeifahrende Containerfrachter in Monrovia (Liberia) gemeldet ist. Wir jedenfalls lassen es uns hier gut gehen, genießen bis weit in den Abend hinein das sommerlich warme Wetter und lassen uns an ungeschützten Hautstellen von miesen kleinen Fliegen beißen (die Folgen sind tagelang zu sehen). Auch eine vorwitzige Zecke, die am Bein hoch krabbelt, kann uns den Abend nicht vermasseln. Die Mitnahme von Antimücken – und Zeckenspray ist daher zu empfehlen. Grau der Himmel, grau der Morgen! Leichte Regenschauer kündigen am sehr frühen Tag den Wetterwechsel vor Ort bereits an. Eine hohe Luftfeuchtigkeit verursacht durch warme Lufttemperaturen sorgt für Schwüle und auch für eine eingegrenzte Sicht. Gegen 9:30 Uhr sind wir nach einem ausgiebigen Frühstück und dem Packen der Kajaks auf dem Wasser. Die Gelegenheit ist günstig – nach 8 Minuten haben wir die Fahrrinne gequert und paddeln nun frohgemut stromab Richtung Pagensand. An Backbord die roten Tonnen, Steuerbord die Pricken – so die Ansage von unserem „strengen“ Fahrtenleiter! Nur, was soll er mit den ausgeprägten Individualisten von Paddlern anfangen, wenn die meinen, unter Land fahren zu müssen? Einfach abwarten, eine weit in die Elbe hineinragende Buhne führt die ungehorsamen „Enten“ dem „Erpel“ wieder zu!! Backbordseitig taucht Lühesand auf, vor uns recken sich die höchsten Strommasten Europas mit 227 m in die Höhe. Auf der Elbe rührt sich kaum ein Lüftchen. Bleiern liegt die Wasseroberfläche um uns und spiegelt den immer dunkler werdenden Himmel wider. Stade mit dem stillgelegten Atomkraftwerk kommt näher und weiter in der Ferne ragt die Silhouette von Dow Chemical in den „schwarzen“ Himmel. Und dann bricht der Regen los! Es gießt wie aus Kübeln. Der Himmel hat alle Schleusen geöffnet und senkrecht prasseln dicke Regentropfen auf uns nieder. Wer von uns bisher nicht nass ist, erhält hier nun die letzte Dusche! Über Schleswig-Holstein grummelt ein Gewitter. Im prasselnden Regen kommen wir Pagensand näher und halten Ausschau nach einem geeigneten Zeltplatz – nur die Suche führt zu keinem befriedigenden Ergebnis. Der massive Regen hat aufgehört und wir landen an, um uns zu stärken und um an Land nach einem Plätzchen Ausschau zu halten. Im Ergebnis müssen wir feststellen, dass man auf Pagensand zwar in bestimmten Bereichen an Land und für eine Nacht Zelten darf – dieses aber nur am Strand erfolgen kann. Nur wenige Schritte vom Sandstrand entfernt stehen bereits die Naturschutzschilder im Waldsaum. Tiefer zeltend vordringen darf man nicht und im Strandbereich ist der Platz zwischen Spülsaum und dichtem nassen Bewuchs so schmal, dass diese Situation uns nicht zum Zelten einlädt. Wer weiß, wie hoch die nächste Flut aufläuft und möglicher Wellenschlag uns samt Zelt „davon spült“? Unter triefend nassen Bäumen oder im mindestens kniehohen Pflanzenbewuchs zu zelten hat niemand Lust! Also beschließen wir, uns gut zwei Stunden auf Pagensand die Zeit zu vertreiben, um dann mit einsetzender Flut in Richtung Yachthafen Borstel aufzubrechen. Kurz vorm Kenterpunkt besteigen wir unsere Kajaks, paddeln zunächst gegen den schwachen Ebbstrom an bis uns die Flut ein- und überholt und uns flott stromauf schiebt. Einige Seeschiffe lassen sich ebenfalls von der Flutwelle in Richtung Hamburg tragen, kleinere Pötte mit weniger Tiefgang brauchen sich darum nicht zu kümmern, da sie auch bei Ebbe immer „eine Handbreit Wasser unter dem Kiel“ haben. Erstaunlich ist, welch kleine Wellen die großen Containerschiffe an Land werfen. Anders sieht es bei den im Größenverhältnis zu den Containerschiffen kleinen Schleppern aus! In Höhe von Stade kommt uns ein solches Minischiff entgegen. Die Entfernung zwischen Fahrrinne und Buhnenköpfen ist hier sehr klein. Um die Buhnenköpfe herum gurgelt das Wasser, die Flut drückt mächtig und eine steile Wellenfront mit geringem Abstand untereinander läuft gnadenlos auf uns zu. Die erste Welle hebt den Bug des Kajaks, hinterm Wellenkamm taucht dieser tief ein und verschwindet vollständig in der nachfolgenden Welle. Ein Wasserschwall von etwa 30 – 40 cm Höhe rauscht über das Kajak, bricht sich an der Brust und danach taucht das Kajak vollständig auf. Die nachfolgenden Wellen sind harmloser – nur die Kapuze der Paddeljacke, die leere Wasserflasche und das Bootsseil sind unter dem elastischen Decknetz verschwunden – glatt weggerissen von dem Wasserschwall. Die Kapuze fischt glücklicherweise ein nachfolgender Clubkamerad auf, die Flasche schwimmt davon und das Seil ist am Bug mit dem Boot verankert! Kurz vor Lühesand hellt sich der Himmel immer weiter auf. In Höhe der Nebenelbe zum Yachthafen strahlt die Sonne und nach einer letzten Querung des Fahrwassers biegen wir in die Nebenelbe zum Hafen Borstel ein. Äußerlich nass vom Regen, innerlich nass von der Staufeuchtigkeit und dem Schwitzen unter der angeblich so atmungsaktiven Wäsche und Oberbekleidung gehen wir an Land, ziehen die Boote aus dem Wasser und tauschen als erstes die Wäsche! Dafür ist die Kenterwäsche auch gut! Zwei abwechslungsreiche Tage sind zu Ende! Zufriedenheit strahlen die Gesichter aller Beteiligten aus. Kaffee und Kuchen im Wohnmobil von Renate und Fritz – dafür und für einen Teil der Fotos herzlichen Dank - runden den Tag ab. Unser Dank gilt unserem Fahrtenleiter Klaus für die Organisation und seiner „strammen Führung“ während Sieghard und ich die mitpaddelnden Nutznießer sind. Wilfried

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