Schwentine Februar 2013

Wintergepäckfahrt auf der Schwentine Das Wetter passte, kein nennenswerter Wind und die Temperatur um die 0 °C. Unklar war, wie viel Eis uns auf der Schwentine erwarten würde. Aus diesem Grund schlugen Klaus und Christian vor, anstatt von Eutin über den Großen Plöner See nach Kiel zu paddeln, von Klausdorf die Schwentine flussauf zu befahren, da wir bis Preetz aufgrund der leichten Strömung mit einem eisfreien Fluss rechnen konnten. In allen Flussführern wird empfohlen die Schwentine je nach Windrichtung zu befahren, da die Strömung vernachlässigbar ist. Die Schwentine ist mit 62 km einer der längsten Flüsse Schleswig-Holsteins. Sie entspringt am höchsten Punkt des Bundeslandes, dem Bungsberg, und durchfließt die gesamte Holsteinische Schweiz mit zahlreichen großen Seen (Wikipedia). Am Bootshaus des TSV Klausdorf fanden wir eine hervorragende Einsatzstelle für unsere Zwei-Tages-Wintergepäcktour. Nachdem aller Kram in die Boote verstaut war und erstaunlicherweise alles wieder einen Platz fand, auch der überdimensionale Winterschlafsack für Anke, begaben wir uns Richtung Kleiner Plöner See - Tagesziel offen. Die Mutter einer trainierenden Rennpaddlerin fragte uns bevor sie uns eine gute Fahrt wünschte, ob es nicht zu gefährlich sei mit Gummistiefel zu paddeln. Nach dem wir ihr ausführlich dargelegt hatten, dass das Schwimmen zwar beschwerlich sei, aber das Wasser in den Stiefel nicht schwerer ist als außerhalb der Stiefel (geschwommen war allerdings noch keiner in Stiefeln) nahmen uns Nieder- und Mischwald im Wechsel mit Grünland und Steilhängen auf. Wir hatten viel Zeit die Landschaft zu genießen, die naturnahe Schwentine war bis zum Rand eingeschenkt und unsere Augen befanden weit oberhalb der Uferkante. Mäßig strömende Abschnitte wechselten sich mit stark strömenden Abschnitten und kleinen Schwallstrecken ab. Wir nutzten jedes Kehrwasser und hielten uns von den Prallhängen frei. Die Entdeckung der Langsamkeit, wie Klaus zur Kurt bemerkte. Unterbrochen wird die entschleunigte Fahrt, so Mancher zahlt viel Geld dafür, durch die „Kanuwanderung“ (1,5 Km; Bootswagen unbedingt erforderlich) durch den Wildtierpark-Schwentinetal bei Raisdorf, für Touren mit Kindern absolut empfehlenswert. 1984 wurde das Gebiet um Raisdorf als rd. 19 ha großes Naturschutzgebiet "Altarm der Schwentine" ausgewiesen. Auf dem anschließenden Rosensee, nachdem sich Christian am Steg als Eisbrecher betätigte, begegneten wir dem einzigen anderem Paddler an diesem Tag, Jürgen Clausen vom FlussInfo Team, einer Hompage mit nützlichen Flussbeschreibungen. Immer wieder sehen wir Nonnen- und Graugänse, Graureiher und Blässhühner. Große Gutshöfe tauchen vereinzelt am Flussufer auf. Klaus kennt sich bestens aus und weiß zu jedem Gut eine Geschichte, zum Teil kennt er die Gehöfte persönlich aus seiner Studienzeit. Mit letzter Anstrengung erreichen wir den Kirchsee durch einen schmalen Durchlass unter einer weißen Holzbrücke in Preetz, für Anke und mich sozusagen ein Heimspiel, wir hatten die letzte Nacht in Preetz verbracht und abends auf eben dieser Brücke gestanden. Aufgrund der fortgeschritten Zeit, beschlossen wir nicht weiter flussauf zu paddeln, sondern ein gutes Stück flussabwärts unser Biwak aufzuschlagen.Klaus und Kurt paddelten voran und waren bald um die nächste Flussbiegung verschwunden. Wir genossen die jetzt durchaus zügige Fahrt. Dann sahen wir Klaus hinter eine Brücke am Ufer stehen. Anke meinte dort wäre unser Biwak Platz und ich wundert mich das Klaus so viel Anstrengung auf sich nahm, um ein Foto zu schießen, bis wir seinen Helmi kieloben treiben sahen. Klaus war unter der Brücke hängengeblieben, quergetrieben und hatte den praktischen Beweis auf sich genommen, dass man in Gummistiefeln sehr wohl schwimmen kann. Boot bergen, Klaus in trockene Sachen bringen und alles wieder klarieren ging Hand in Hand. Dabei konnten wir gut beobachten wie die Handlungsfähigkeit bei Auskühlung nach lässt. Es blieb aber noch genug Zeit ein Foto seiner textilfreien Rückseite zu schießen, welches er unbedingt veröffentlicht haben wollte, falls ein Bericht geschrieben würde. So sagte er in seinem leicht unterkühlten Zustand. Ich verzichte aber an dieser Stelle auf eine Veröffentlichung, nicht dass das Foto unansehnlich wäre, aber Aussagen in dem oben beschrieben Zustand..... Am Rande sei noch erwähnt, das ich im Anschluss in einen Nebenarm der Schwentine abbog, der leider im Nirgendwo endete, somit hatte Kurt zumindest ausgiebig Gelegenheit seine neuen Neoprenstiefel zu testen. Ich hatte mich bei der Bergfahrt zu sehr auf die Ortskundigen verlassen und die Landschaft genossen. Bei einsetzender Dämmerung erreichten auch wir unseren Lagerplatz. Es folgte ein gemütlicher schöner Abend mit Grill, Feuer und Feuerzangenbowle. Der nächste Tag verlief ohne Zwischenfälle und die zurückzulegende Strecke war überschaubar. Insgesamt ein rundum gelungenes Wochenende. Heinrich K. Fotos: Christian und Heinrich

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