"Paddeln" lässt's sich auf vielerlei Art!

"Paddeln" lässt's sich auf vielerlei Art!

Beweglich wie wir in der heutigen Zeit sind, haben 13 Clubkameraden (-innen), Robin-Louis und Rouven-Oliver ab Gründonnerstag bis Ostermontag Münster und die nähere Umgebung mit Boot, Fahrrad und per "pedes apostolorum" erobert.
Ausgangspunkt ist das Jugendgästehaus Aasee in Münster, das nicht nur fast am See liegt sondern sich wärmstens weiter empfiehlt. Unterkunft und Verpflegung lassen keine Wünsche offen. Frühstücksbuffet und ein mehrgängiges Abendmenu fordern immer wieder die Qual der Wahl heraus. Je nach Wunsch können Komfort-, Zweibett- oder Vierbettzimmer gemietet werden. Wir haben uns rundherum wohl gefühlt.
Unsere Paddler haben sich auf Werse und Ems die Filetstücke herausgesucht. Bei sonnigem Wetter setzen Manu Tobschirbel, Marion und Robert Becker, Marion und Jörg Nordmann sowie Michael und Thorben Schneider mit seiner Janka an der Pleister Mühle ein, um den Unterlauf der Werse bis kurz nach dem Zusammenfluss mit der Ems zu befahren. Die Werse ist durch mehrere Stauanlagen ein gemächlicher Fluss, der viel Zeit lässt, die verschiedenartigsten Wochenendhäuser und sonstigen Anwesen zu betrachten. Stahlblaue Eisvögel fliegen auf und schwirren über das Gewässer. Erst auf der letzten Teilstrecke wird sie Natur näher und einige quer liegende Bäume und etliche Büsche forderten die Paddler stärker heraus. Marion und Robert hat sicherlich der Magen geknurrt, oder? Wer von euch Beiden hat denn nun die Verpflegung vergessen?
"Begleitet" werden die Paddler auf dem Fahrrad von Rosemarie Tobschirbel, Dorle Schneider und mir. Entlang der gesamten Werse gibt es einen teilweise sehr gut ausgebauten und übersichtlich beschilderten Radweg. Es macht richtig Spaß durch die erwachende Natur auf gewundenen Pfaden zu radeln. Orkan Kyrill hat sichtbare Spuren hinterlassen, aber die Wege sind frei und nur wenige Fahrradfahrer oder Fußgänger treffen wir auf unserer Fahrt. An der alten fränkischen Wallburg Haskenau wenden wir uns dem Dortmund-Ems-Kanal zu, um an seinem nördlichen Ufer wieder nach Münster zurück zu kehren. Na, Rosemarie und Dorle, wie viele Kilometer haben wir zurückgelegt? Antwort von Rosemarie: 15 Kilometer! Falsch geraten - insgesamt sind es 31,7 km! Großes Erstaunen bei den Beiden - aber auch nicht verwunderlich, haben sie sich doch während der gesamten Fahrt äußerst angeregt unterhalten. Ihren Po hat Dorle einen Tag später besonders bemerkt! Vor weiteren Fahrradtouren kneift sie dann!
Längst habe ich verdrängt, wie Familienpackesel aussehen können. Die Schneiders und die Bergs haben lebhafte Erinnerungen bei mir wach gerufen. Auf der Familienkutsche die Boote und bei Sandra und Oliver Berg zusätzlich die Fahrräder auf der Anhängerkupplung. Öffnen sie die Hecktüren, müssen sie darauf gefasst sein, blitzschnell herauskullerndes Gepäck aufzufangen. Jedenfalls ist alles an Bord, was für Eventualitäten in Frage kommen könnte. So überrascht uns Michael z. B. mitten im Vogelschutzgebiet Gelmer Heide (ehemalige Rieselfelder der Stadt Münster) mit einem Eierlikör aus Schokoladenbechern - wirklich passend - zumal an dem Tag das Wetter nicht so richtig mitspielt. Kühler Wind und ein paar Regenschauer ziehen über das Land. Die Vogelwelt in diesem künstlichen Feuchtbiotop muss mannigfaltig sein, denn uns begegnen einige vogelkundlich Interessierte mit Stativen, Fotoapparaten und dazu passenden Teleobjektiven bewaffnet, um die Vogelwelt zu beobachten und zu fotografieren. Ein vorbei fliegendes Blaukehlchen erfreut Michael so sehr, dass die Schneiders beschließen, am letzten Tag noch einmal hier herzufahren.
Eine kleine Gruppe um Familie Schneider herum zieht es hinaus, in der Nähe von Emsdetten eine abwechslungsreiche Landschaft zu erwandern. Begeistert berichten sie von der Durchquerung eines Hochmoores, bei der sie u. a. Bekasinen (Sumpfschnepfen) beobachten können.
Das Jugendgästehaus bietet u. a. auch Leihfahrräder an. Dieses Angebot nutzend rüstet sich der überwiegende Teil der "Truppe" mit Fahrrädern aus. Leithammel darf ich wieder spielen und so führe ich die Gruppe in Richtung Süden. Wir überqueren den Dortmund-Ems-Kanal, fahren durch den "Hohen Wald" entlang der Trinkwassergewinnungsanlagen der Stadt und biegen dann in Richtung Werse ab. Dieses Teilstück des Flusses ist nicht so reizvoll wie weiter unterhalb. Erste Ermüdungserscheinungen lassen uns einkehren, um danach gestärkt den Heimweg anzutreten. Immerhin sind wir 37,1 km geradelt - nicht schlecht! Die ungewohnten Sättel der Leihfahrräder fordern aber ihren Tribut.
Die Ems lockt! Unsere Paddler möchten die Strecke unterhalb von Telgte bis Gimbte befahren. Rouven schlägt sich sehr tapfer in seinem "Wildwasserspielboot". Ein dickes Lob für ihn und Respekt, Respekt! . Die gesamte Strecke ist aber zu viel, so dass Boote umbesetzt werden und seins in Schlepp genommen wird. In diesem Abschnitt ist die Ems sehr malerisch und durch weit herein ragende Büsche auch paddeltechnisch interessant. Viel gibt es über eine bestimmte Sohlschwelle zu erzählen, an der der Flussquerschnitt zusätzlich eingeengt ist. Die Kanufahrer steigen wegen der Kinder sicherheitshalber aus und umgehen die Stelle ein wenig beschwerdevoll. Marion Nordmann als Mitfahrerin hat buchstäblich die "Hände voll". Beide Bergs Kinder "betüdelt" sie im Kanu - die Kentergefahr ist zeitweilig groß, während Oliver allein das Kanu auf Kurs halten und voran bringen muss. Sandra kann derweilen unbeschwert (Sprichwörtlich, ein nachträgliches Dankeschön an Marion!) mit mir eine Fahrradtour zum Wasserschloss von der Dichterin Droste-Hülshoff unternehmen und auf dem Rückweg Schloss Münster mit dem Botanischen Garten und die Stadt Münster auf den Wallanlagen umrunden. Im Gegensatz zu vielen anderen Städten, die nach Abriss ihrer mittelalterlichen Wallanlagen Straßen an diesen Stellen gebaut haben, hat die Stadt Münster einen Fuß- und breiten Radweg angelegt und das Ganze alleenartig bepflanzt - und dieses bereits vor über hundert Jahren!
Nicht hundert Jahre besteht unser Verein, aber die alten Dias von Manu, die er zu aller Überraschung mitgebracht hat, erfreut nicht nur die "Alten Hasen" unter uns sondern erheitern auch die jüngeren Clubmitglieder. "Wer ist denn das? Wo war das? Mensch, warst du aber schlank! Verdammt kalt war das! Daran kann ich mich überhaupt nicht mehr erinnern!" Solche und ähnliche Äußerungen machen zwei Abende zu einer kurzweiligen Angelegenheit. Manu hat für uns dankenswerter Weise auch einen extra Raum reservieren lassen - dankenswert auch deshalb, weil dieses uns den Genuss mitgebrachter "geistiger Getränke" ermöglicht - denn, Lebensmittel und Getränke dürfen nicht im Gästehaus verzehrt und können angeblich zu "günstigen Preisen" im Jugendgästehaus erworben werden (u. a. Weißbier 2,50 €). Dieses empfinden wir nicht als "günstig"! Unser Rotwein ist deutlich günstiger.
Überhaupt ist Münster trotz der verheerenden Zerstörungen im 2. Weltkrieg sehenswert. Unseren Aufenthalt schließen wir mit einer Stadtführung ab. Die Stadtführerin gibt uns einen anschaulichen Einblick in die Entwicklung von Münster und lenkt unsere Blicke auf die intensiven Bemühungen der Stadt, durch den Bombenkrieg verloren gegangenes entweder originalgetreu aufzubauen oder zumindest im Ansatz wieder entstehen zu lassen. Münster ist das Zentrum der Region, Münster ist die Universitätsstadt, was sich am jungen Durchschnittsalter der Bevölkerung ablesen lässt und im Straßenbild auffällt, Münster ist Kaufmannsstadt und Sitz vieler Verwaltungseinrichtungen.
Ach ja - es ist auch Ostern! Kirchenbesichtigungen sind wegen der vielen Gottesdienste kaum möglich und österlich wird es auch für uns am Ostersonntag, denn Rosemarie, Dorle und Marion haben unsere Tische österlich nett geschmückt - ein herzliches Dankeschön an die Drei.
Manu hat mit seiner Idee und deren Umsetzung, dieses Jahr Ostern in dem Jugendgästehaus in Münster zu verbringen, nicht nur ein Riesendankeschön verdient sondern traditionsgemäß das Wort "Paddeln" in unserem Club durch "Fahrrad fahren" und "Wandern" dem Sinne nach ausgefüllt und weitere Anstöße zu Fortsetzungen gegeben.

Wilfried Löbel