Morgens, halb zehn in Deutschland...

Morgens, halb zehn in Deutschland...

Wanderung am Hohenstein 2008

Morgens, dass heißt Sonntag (!), den 17.2.08 um 9.30 Uhr im Blutbachtal….Der Name lässt einem schon ein wenig den Schauer über den Rücken laufen, wenn es der Morgennebel und vereinzelte Zeichen des Winters (es gibt ihn wirklich) nicht schon vorher geschafft haben.
26 Paddler und Paddlerinnen haben sich zusammengefunden, in dieser frühen Stunde ihre Freizeit auf dem Trockenen zu verbringen, d. h., es geht bergan! Diese ungewohnte Richtung für Wassersportler hat ihren ganz eigenen Reiz. Für mich stellte sich die Frage, ob ich direkt vom Sofa den Süntel oder besser gesagt den "Hohenstein" schaffen würde? Aber es hatten sich ja genug "fitte" Gleichgesinnte zusammengefunden. Da wird doch wohl der eine oder andere helfende Arm zur Stelle sein…?
Klaus Schernewsky hatte zu einer geschichtsträchtigen und wunderschönen Wandertour im Naturschutzgebiet Hohenstein geladen, welches den Kern des Naturparks Weserbergland bildet. Erstaunlich viele sind diesem Aufruf gut gelaunt gefolgt. Klaus´s Cousin machte sich mit auf den Weg und gab schaurige Einblicke in die Geschichte des Blutbaches. Geschichtsträchtiger Boden umgab uns. Die Schlacht zwischen Widukind und dem Frankenheer Karls des Großen 782 an der Westseite des Hohensteins, welches seit dem den Namen "Totental" trägt, verdient besonderer Beachtung.
Der Weg schlängelt sich dicht am Bach entlang. Es ist ein wunderbares Naturschauspiel, wie sich die Sonnenstrahlen im Wasser und den Eiszapfen spiegeln. Durch die spärliche Wintervegetation ist man ganz nah am Bach. Das Wasser gluckert leise, die Spiegelung ist unwirklich und die Mäandern ziehen mich in ihren Bann. Es ist immer wieder ein Geschenk, der Natur so nah zu sein. Es sind doch immer wieder die kleinen und einfachen Dinge, die es schaffen, die hektischen Gedanken wieder in die richtige Richtung zu lenken.
 Das Naturschauspiel nahm ein jähes Ende für mich, als ich den ersten Anstieg sah! Gefühlte 50% Steigung ragten vor mir auf und ich zweifelte an meiner Kondition. Aber was mir andere vormachten, dass würde ich doch wohl auch schaffen! Es ging über Stock und Stein und das Laub des vergangenen Herbstes machte es nicht einfacher. Aber die Blicke ins Tal oder zum Hohenstein entschädigten reichlich für ab und an aufkommende Höhenangst! Es ging teilweise schon ganz schön abwärts. Der Hohenstein zeigt sich dem geneigten Wanderer als eine 40 Meter hoch aufragende Kalksteinwand. Als wir den Gipfel jedoch erreichten (ich als Letzte hihi), waren wir überwältigt von der grandiosen Aussicht an diesem wunderschönen sonnigen Morgen. Die Weser und ihre Höhenzüge lagen vor uns. Ich muss zugeben, dass ich nicht zu den Wanderern gehöre. So ergaben sich solche Momente eher selten. Dies werde ich aber nach diesem wunderbaren Vormittag ändern!
Ich möchte Klaus an dieser Stelle noch einmal ganz herzlich für diesen tollen Vormittag danken. Für einige war es bestimmt nur ein Klacks, aber für mich eine Herausforderung und ein schönes Erlebnis. Vielleicht trifft man sich ja mal zufällig in anderen Höhenzügen….wer weiß….?

Christine Kölling

 

Wanderung um den Hohenstein im Süntel

Als sich morgens am 17. Februar etwa 30 junge und ältere Wasserwanderer am Parkplatz "Blutbachtal" bei Zersen trafen, erkannten alle sofort, dass der Bach zu wenig Wasser für eine Befahrung führte ( siehe Bild ). Und weil sowieso keiner ein Boot dabei hatte, wurde wie auch vorgesehen gewandert.
Blutbach Auf festem Weg ging es immer am Blutbach entlang hinein in den Süntel. Vom Fahrtenleiter Klaus Schernewsky erfuhren die Teilnehmer, dass der Name des Baches an die Schlacht auf dem nahen Dachtelfeld im Jahre 782 erinnert. Damals vernichteten die Sachsen das Heer des Frankenkaisers Karl. Das Blut - nicht nur der Franken - färbte das Wasser rot. Auch die Bezeichnungen "Totental" und "Dachtelfeld" ( Dachtel = Ohrfeige ) erinnern an das grausame Gemetzel.
Baxmann An der Quelle nahe der Gaststätte Baxmannbaude machte uns der Vetter von Klaus mit Herrn Baxmann bekannt. Dieser lebte vor vielen Jahren als Gastwirt in Hessisch Oldendorf. Er war ein Dieb, Räuber und Betrüger. Auch reiche Gäste sollen auf mysteriöse Weise verschwunden sein. Er starb als reicher Mann - aber krank und unbeliebt. Die Oldendorfer gaben ihm gern das letzte Geleit. Wie waren sie allerdings erschrocken, als sie auf dem Heimweg vom Friedhof Baxmann am Fenster seines Hauses sahen. Sie mussten ihn also ein zweites Mal begraben. Aber auch dieses Mal blieb er nicht unter der Erde, sondern trieb nachts sein Unwesen im Haus. Er musste einen Bund mit dem Bösen geschlossen haben. Die Oldendorfer baten Mönche aus dem Kloster Paderborn, sie von dem Übel zu erlösen. Mit allergrößter Mühe gelang es diesen, Baxmann an die Quelle unterhalb des Hohensteins zu bannen. Er musste mit einem Sieb die Quelle leer schöpfen. In einem besonders strengen Winter gelang es ihm, mit gefrorenem Sieb die Eisstücke zu entfernen. Baxmann war frei und stand wieder an seinem Fenster. Erneut mussten die Mönche eingreifen. Diesmal gaben sie ihm einen Fingerhut zum Schöpfen. Noch heute hört man ihn in dunklen Nächten qualvoll bei seiner unlösbaren Aufgabe jammern und stöhnen.
Hohenstein Wir haben ihn nicht gehört, denn es war hell und die Sonne kam sogar hervor. Auf krummen Stufen führte unser Weg steil bergan. Es waren zwar keine Baxmannqualen auszustehen, aber für die letzten auf dem Bild gut zu erkennenden Wanderer in der langen Schlange war es ein anstrengender Aufstieg. Oben angekommen entlohnte eine herrliche Fernsicht. Weit ins Wesertal schweifte der Blick vom 50 m hohen Felsmassiv der harten Kalksteine des weißen Jura. Der Hohenstein war in germanischer Zeit eine Kultstätte. Er steht wegen seiner Felsbildungen und besonderen, einzigartigen Felsflora schon seit 1930 unter Naturschutz. Von den seltenen Pflanzen - wie z. B. die Brillenschote - haben wir noch nichts gesehen; aber den Bärlauch konnte man schon sehen und riechen .Nach ausgiebiger Rast auf einer Aussichtskanzel ging es dann wieder hinab ins Tal und zurück zum Parkplatz, der bei dem guten Wetter mittlerweile gut gefüllt war.
Weinschänke Rohdental Zum Essen fuhren wir in die bekannte Weinschänke Rohdental, eine ehemalige Mühle. Auch hier ein rappelvoller Parkplatz. Zum Glück hatte Klaus reserviert. Und so saßen wir auf unseren Plätzen und warteten lange aufs Essen. Aber die Bedienung war nett und freundlich und wir hatten ja auch noch allerhand zu bereden. Schon beim Treffen auf dem Parkplatz Blutbachtal fiel mir auf , dass man sich herzlich und intensiv begrüßte; wohl weil man sich lange nicht begegnet war und manches Wiedersehen zu besonderer Zuwendung veranlasste.

Wolfgang Trampler