Hansesail 2003

Hansesail in Rostock

8.8. Trotz des hochsommerlich heißen Wetters gestaltet sich die Anfahrt ganz angenehm. Um 7 Uhr holte ich Christian und Sieghard aus Haste ab. Es ist wie immer kaum zu glauben, dass all die Säcke und Kisten in den Booten verstaut werden können. Auf dem Weg nach Rostock sahen wir neben der Straße drei Kraniche, wenig später einen Storch. Mittlerweile sind auch Nebenstraßen so gut ausgebaut, dass das Fahren zügig geht. Den Rostocker Kanu Club kannten wir ja schon vom Parken bei der Wintertour auf der Warnow. Nachdem die Zelte aufgebaut waren und wir gegessen hatten, machten wir einen Bummel durch den Hafen und die Altstadt. Das Hafengelände ist zu einem riesigen Rummelplatz umgebaut worden. Imbissstände, Andenkenläden, Bungeejumping und anderes versuchen das Interesse auf sich zu lenken. Doch spannender waren die Schiffe. Obwohl in Rostock nur die "kleineren" Segler liegen, gab es einiges zu sehen. Alte und neuere Segler mit bis zu drei Masten laden Besucher zum Besichtigen und stundenweisen Mitfahren ein. Besonders schön: Der Nachbau der alten Hansekogge, trotz des schwachen Windes eines der wenigen Schiffe unter Segeln. Hoffentlich gibt es da Morgen noch mehr von zu sehen! Die Innenstadt ist jetzt so gut wie fertig restauriert. Besonders beeindrucken eine alte Kirche, in deren Dach Eigentumswohnungen mit Balkon eingebaut worden sind. Später erfahren wir, dass das Kirchenschiff jetzt Konzertsaal, der Turm Kirchenverwaltung ist. Abends gibt es dann reichlich Rotwein am Wasser.
9.8. Nach einer zu kurzen Nacht bin ich mit Kopfschmerzen aufgewacht. Trotz Tablette sind sie mir lange erhalten geblieben. Dafür gab es aber jede Menge zu sehen. Nach der offiziellen Eröffnung sind wir um 9 Uhr durch die Schleuse in die Unterwarnow gefahren. Wenig später waren wir wieder im Rostocker Hafen - diesmal auf dem Wasser. Mit uns begann der Aufzug der Schiffe. Kleine, große Motor- und Segelyachten, einige kleine Motorboote und dazwischen wir - immer bemüht aus dem Fahrwasser heraus zu bleiben. Leider gegen den schwachen Wind alle unter Motor, zogen die Großsegler an uns vorbei. Manche still gleitend, fast verschämtes leises Tuckern. Manche mit mächtiger Welle und alle voller Touristen. Je weiter wir nach draußen kamen, desto hektischer wurde es. Immer wieder entstand aus den Wellen der Schiffe nettes Kabbelwasser. Die offizielle Kanu-Tour war am Fähranleger Oldendorf zu Ende. Fast alle fuhren aber von da weiter bis nach Warnemünde und in die Ostsee. Hier erwartete uns ein Alptraum: Ein voll besetzter Sandstrand. Tausende von brutzelnden Menschen, die nur mürrisch weiter zusammenrückten, damit die Boote auch auf den Strand gezogen werden konnten. Sieghart, Christian und ich sind gleich wieder eingestiegen und einige Kilometer zurück gefahren. Dort fanden wir einen ziemlich ruhigen Strand für unsere Pause. Nach der Rückkehr zum Kanu-Club gab es Gegrilltes für alle (was einige Zeit gedauert hat, weil der Grill nicht für so viele ausgelegt war). Während des Wartens konnten wir aber Tipps zum Wilden Zelten / Übernachten an der Ostseeküste sammeln. Abends ging es dann noch einmal in die Boote (Wir hatten sie gleich unterhalb der Schleuse liegen gelassen). Über dem Hafen wurde um 22:30 ein großes Feuerwerk gezündet. Vorsichtig (weil unbeleuchtet) fuhren wir an den Rand des Hafens, fanden dort ein paar Eisenpfähle zum Festmachen und beobachteten das Feuerwerk und dessen Reflexionen auf dem Wasser. Auch das Echo der Explosionen war nett. Besonders schön aber die Ahs und Ohs aus den unsichtbaren Booten ringsum.
10.8. Wieder ein sonnig-heißer Tag. Heute stand die Warnow oberhalb des Kanu-Clubs auf dem Programm. Vorgesehen war eine Tour bis zu einer Eisenbahnbrücke und zurück. Eine schöne, waldreiche Strecke. Da wir alle recht zügig fuhren, warne wir schon nach einer Stunde am Ziel. Christian, Sieghard und ich beschlossen, gleich noch etwas weiter zu fahren. Nachmittags am Platz habe ich dann noch ein paar Rollversuche mit dem Seayak gemacht. Das geht wunderbar - auch auf beiden Seiten. Abends saßen wir dann in netter großer Runde vorm Zelt. Christine aus Berlin erzählte von einer Ladung Grillfleisch, die durch ein Versehen aufgetaut wurde. "Und als es dann jemand merkte, konnte es die Kühlschranktür allen öffnen und leichte Fragen beantworten." Auch der Witz mit dem Blinden ist mir hängen geblieben: Ein Blinder kommt in einen Supermarkt und beginnt, seien Hund am Schwanz herumzuschleudern. "Was soll die Tierquälerei?" wird er gefragt. "Na, man wird sich doch noch mal umschauen dürfen!" Zwischendurch haben wir begonnen, die Boote zu packen. Morgen geht es dann auf die Ostsee.
11.8. Gegen alle Unkerei von Christian waren wir früh reisefertig - schon um 9 Uhr passierten wir die Schleuse in die Unterwarnow. Die Boote deutlich schwerer, aber erst mal auf dem Wasser ging es leichter. Wieder zogen einzelne Großsegler mit uns auf die Ostsee - diesmal auf ihrem Weg nach Polen, wo das nächste Großseglertreffen stattfindet. So waren uns am Horizont den ganzen Tag land einige Schiffe als Begleitung sicher. Eigentlich hatten mir vermutet, dass wir schon kurz nach der Hafenmole einen Platz am Strand zum Übernachten suchen müssten. Doch wir kam so gut voran, dass wir jetzt fast 20 Kilometer weiter östlich im Sand liegen. Der ganze Ostseestrand ab Rostock ist Badestrand und bei diesem Wetter natürlich voller Leute, fast alle FKK. Während wir uns langsam ausbreiteten - mit freundlichem Gedenken an Mike, der seine Würstchen in meinem Auto vergessen hat - packen die anderen allmählich ein. Bei dem klaren Himmel freuten wir uns auf eine klare Nacht mit vielen Sternschnuppen. Ich bin jedoch fast sofort eingeschlafen. Leider wurden wir gegen vier geweckt. Von einigen Regentropfen. Erst wollte ich sie ignorieren, dann hatte Sieghart aber begonnen, das Tarp auszupacken und auch Christian begann mit seinem Zelt. Als wir schließlich zu dritt unter dem Überzelt lagen, hatte der Regen wieder aufgehört.
12.8. Für diesen Tag hatten wir uns eine etwas längere Etappe vorgenommen. Durch die Bestimmungen des Naturschutzgebietes ist das Übernachten etwas problematisch. Schon gegen 8:30 konnten wir losfahren. (die ersten Badegäste kamen gerade an den Strand zurück). Mittags hatten wir die Grenze zum Naturschutzgebiet erreicht. Ein kurzes erfrischendes Bad in der Ostsee. Dann die Umrundung des Darßer Ort, ein Kilometer Abstand zum Ufer ist hier vorgeschrieben. Leider war der Nothafen am Ende als Standquartier ungeeignet. Zwar durften wir umsonst zelten - aber keine Kocher benutzen. Nach kurzem Hin- und Her (Christian wollte kalte Dosenküche) fuhren wir weiter am riesigen Campingplatz von Prerow vorbei und hinter Prerow an en Strand. Dort gibt es einen Umtrageplatz in den Prerow Strom. An diesem gibt es einen Wasserwanderrastplatz. Gegen 19:00 Uhr kamen wir ziemlich erschöpft dort an. Am Platz genossen wir ein frisch gezapftes Bier und eine heiße Suppe. Die zahllosen Mücken sorgten dann dafür, dass wir schnell in die Zelte krochen. Ich verbrachte die erste Nach in meinem neuen Pathfinder-Zelt. Es ist recht klein, aber für einen doch gerade ausreichend.
13.8. Obwohl kaum vorstellbar, erschien uns dieser Tag noch heißer. Die Sonne war stechend, die Luft drückend schwül. Da wir nun auf der Innenseite über Prerower Strom, Bodstedter Bodden, Zingster Strom und Barther Bodden fahren, blieb auch die leichte Meeresbrise der letzten Tage aus. Mittags fanden wir einen netten Platz im Schatten bei einem Angelverein in Zingst. Nach einigen Minuten kam jemand vom Verein dazu, begrüßte uns freundlich und erzählte ein wenig. Schön, wenn Gastfreundschaft noch geachtet wird! Abends entschlossen wir uns, das Auto aus Rostock zu holen. Eigentlich wollten wir damit bis nach Rügen weiterfahren. Doch der Wetterbericht machte diese Idee zunichte. Für die Nacht und den nächsten Tag ist stark zunehmender Wind mit Sturmböen zu erwarten. Da haben wir auf der Ostsee nichts verloren. Nach einigem Hin und Her beschließen wir an die Warnow zu versetzen und diese von weiter oben zu befahren.
14.8. Der starke Wind bestätigt die Entscheidung. Die Warnow hat vor der Mündung der Mildenitz herrlich klares Wasser. Nachdem ich an der Ostsee nicht fündig war, gibt es hier reichlich Flussmuscheln, so dass ich die Gottesdienstgabe für meinen Schulanfängergottesdienst nächsten Samstag gut zusammen finde: 191 Muschelschalen. Der Tag ist angenehm, sommerlich warm, aber nicht mehr heiß. Mal sehen, wie sich heute Nacht mein Zelt in dem starken Wind macht. Mit Lutz' Hilfe konnten wir das Auto gleich noch wieder nach Rostock versetzen. Vielen Dank, Lutz!
15.8. Nachdem der flatternde Eingang zu war, habe ich prächtig geschlafen. Morgens fiel nur das Aufstehen etwas schwer, da es im Wind und im Schatten noch recht frisch war. Das hat sich aber bald gegeben. Bis zum Wasserwanderrastplatz Rüen gab es einige nette Erinnerungen an die Winterfahrt (vor allem die beiden Eis-Umtragestellen). Ab Bützow verändert sich der Flusscharakter. Aus dem mäandernden Kleinfluss wird ein weitgehend stillstehender breiter Bach/Kanal. Trotzdem gab es noch einiges zu sehen. Neben einigen Eisvögeln konnten wir einen Fischadler und einige Milane beobachten. Im Wasser neben meinem Boot schwamm ein Marder quer durch den Fluss. Auch eine Ringelnatter tauchte direkt zwischen den Booten ab. Jetzt liegen wir auf einer halbwegs windgeschützten Wiese kurz vor Schwaan und genießen die Ruhe.

Thomas Gleitz