30 Kanuten im Berg...

30 Kanuten im Berg...

Es ging unter die Erde und nicht aufs Wasser.

Am 14 .Nov. 2004 trafen sich 31 Mitglieder und Gäste des Kanu Clubs" Steinhuder Meer" nicht am Ufer eines Flusses sondern in Barsinghausen auf dem Alten Zechengelände des stillgelegten Steinkohlebergwerkes. Auf dem Programm stand die Einfahrt in den Alten Klosterstollen, der durch die jahrelange, mühevolle Arbeit eines Fördervereines mit viel Idealismus für Besucher wieder begehbar wurde.
In der alten Waschkaue wurden wir durch den Vorsitzenden des Fördervereines Herrn Lohmann und Herrn Henkel begrüßt. Hier erzählten uns die Herren wie das Leben der Bergleute in Barsinghausen vor vielen Jahren ablief und welche Werkzeuge, Hilfsmittel und sonstige Utensilien bei der Arbeit eingesetzt wurden.
Nach dieser für mich sehr interessanten Einführung wurde es ernst. Lampen und Helme wurden für jeden Besucher ausgeben und dann ging es zur Grubenbahn. Die ersten Schwierigkeiten traten auf als wir uns in die engen und kalten Wagen zwängen mussten. Unsere Körperfülle war durch die Wohlstandsgesellschaft in der wir heute leben diesem Transportmittel nicht mehr ganz angepasst. Aber kaum hatten wir unsere Beine sortiert als das Hupsignal der batteriebetriebenen Zugmaschine schon den Beginn der abenteuerliche Bahnfahrt in den Stollen anzeigte. Das Rattern und Schleudern der Wagen in dem engen Stollen wurde noch durch die oftmals sehr dicht an den Wagen vorbeigleitenden massiven Steinwände verstärkt. Aber alles ging gut und nach ca. 750 Metern war die Endstation erreicht. Wir kletterten aus diesen engen Wagen und nach dem unsere Knochen wieder etwas geordnet waren ging es zu Fuß bis " vor Ort " wo sich das Kohleflöz durch das taube Gestein zog und die eigentlichen Arbeitsplätze der Hauer lagen.
Hier bekamen wir einen beklemmenden Eindruck von der Arbeit eines Bergmannes. Die Leuchtstoffröhrenbeleuchtung wurde ausgeschaltet und mit unseren Grubenlampen konnte wir die Dunkelheit kaum durchdringen. Dann kam der Höhepunkt. Die Pressluftbohrer, Rüttelrutschen, und sonstigen luftbetriebenen Maschinen machten einen Höllenlärm und wirbelten eine Menge Staub auf. Unter diesen Bedingungen in Nässe, Kälte, Staub, Dunkelheit und Lärm schwere körperliche Arbeit 7 Std. am Tag jahrelang zu ertragen erschien uns allen aus heutiger Sicht fast unmöglich. Hut ab vor unseren Großvätern, die das Alles durchstanden. So haben sich die Zeiten geändert. Aber es kam noch besser. Es ging in einen Querstollen. Jetzt wussten wir auch wofür ein Schutzhelm gut ist.
Bei der folgenden Strecke mussten wir stark gebückt gehen und die Helme schrappten dauernd oben an den Steinen der Stollendecke entlang. Unser Führer erklärte uns, dass diese Deckenhöhe noch sehr komfortabel sei, und man früher sich nur kriechend an den Arbeitsorten bewegen konnte. Aber auch diese Belastung haben wir gut überstanden.
Der Stollen hatte wieder Normalhöhe und nun rauschte ein kleines, ockerfarbenes Rinnsal unter der Stollensole hindurch und verschwand im Gestein. Für Kanuten unfahrbar transportiert dieses wichtige Bächlein die Grubenwässer irgendwo ins Freie.
Bald erreichten wir den wartenden Grubenzug und mit Geratter ging es wieder ans Sonnenlicht. Eine für mich lehrreiche, unvergessliche Besichtigung ging damit zu Ende. Vielen Dank an Manu der alles gut organisiert hatte und besonders an die beiden Herren, die uns geführt und alle unsere Fragen mit viel Geduld und Wissen beantwortet haben.
Für mich war dieser Tag eine unvergessliche Zeitreise in meine Jugend. Für meine Enkelkinder war es langweilig und öde. Das nennt man wohl einen Generationenkonflikt.

Manfred Schürzeberg 16.11.2004

Noch ein Bericht dazu:

... das hatte der Sprengmeister noch nicht gesehen. Viele bekannte und weniger bekannte Gesichter des KCS waren der Initiative von Manu gefolgt. Innerhalb von Stunden nach Verteilung der "Paddelpost" waren die 20 angemeldeten Plätze voll, schließlich fuhren wir mit 30 Personen unter Tage. Ziel des lohnenden Herbstausflugs war der Klosterstollen Barsinghausen. Jahre nach der Schließung ist diese alte Kohlengrube heute nach Anmeldung wieder für Besucher zugänglich. Noch immer lagern mehrere Millionen Tonnen Steinkohle unter dem Deister. Die Förderung wurde auf Betreiben der Montanunion eingestellt - Energiereserve für zukünftige Generationen?
Nach einer spannenden Einführung in die Geschichte des Bergwerks zwängten wir uns in die engen Kabinen der Grubenbahn. Nur mühsam ließen sich meine langen Beine in dem kleinen Raum unterbringen. Dann zuckelten wir etwa einen Kilometer in die Dunkelheit unter dem Deister. Am Ausstieg fanden wir uns am Beginn des Kohleflözes wieder. In zwei Gruppen wurden wir nun durch die Gänge und Schächte geführt. Unterbrochen durch Vorführungen der Abbaumethoden vor der Schließung. Immer wieder rasselte ein Presslufthammer oder ein Bohrer. Kohlestücke glitten auf Schüttel- oder Förderbändern vorbei. Je tiefer wir in den Berg kamen, desto niedriger wurden die Gänge. Mancher Helm tat gute Dienste unter dem alten Sandstein. Immer wieder konnten wir die Kohleschicht erkennen. Obwohl die Bergleute damals gutes Geld verdienten, wollte niemand mit ihnen tauschen. Dabei mussten wir gar nicht in die engen Kriechgänge des Kohleflözes vordringen. Dort wurde die ca. 70 cm dicke Kohleschicht von Hand auf dem Bauch liegend herausgehauen. Von den 2400 Bergleuten in Barsinghausen waren nur 200 mit dem geldbringenden Abbau von Kohle beschäftigt; alle anderen sorgten für Transport, Reinigung oder Erschließung der Kohle.
Im Anschluss an die Besichtigung gab es eine leckere Mahlzeit in der Waldapotheke. Wahlweise Grünkohl oder Ente im gut beheizten Wintergarten rundeten die gelungene Exkursion ins Nicht-Paddeln ab.

Thomas Gleitz