Von der Kunst einen Eisvogel zu fotografieren und drei aufs Bild zu bekommen - Rundfahrt auf Dahme und Spree 2011

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Von der Kunst einen Eisvogel zu fotografieren und drei aufs Bild zu bekommen Dahme - Spree Rundfahrt Juli 2011 Ich sitze bei sommerlicher Hitze an einem spiegelglatten Kanal. Vor mir fliegt ein Eisvogel. Über mir klopft ein Buntspecht nach seinem Abendessen. Von beiden Seiten rufen sich zwei Kuckucke. Majes-tätisch steigt ein Graureiher auf. Wo ich bin? Wenige Kilometer östlich von Berlin. Mittags bin ich bei Kanu-Sport Erkner gestartet. Dort parkt das Auto für eine geringe Gebühr eine Woche in der Tiefgara-ge. Von der Hektik des Tages ist schon im Gosener Graben kaum noch etwas übrig geblieben. Motor-boote dürfen hier nicht fahren. Einige wenige Sonntagspaddler kommen mir entgegen. Am dem Seddlinsee sind Kanufahrer ein seltener Anblick. Und das an einem Sonntag im Juli! Mit der Einfahrt in den Zenthiner See beginnt die Kilometrierung der Dahme am Ufer. Die meisten Motorboote halten sich an die vorgeschriebenen Geschwindigkeit - es weht fast kein Wind: Ich kann den ganzen Tag mit offener Spritzdecke fahren und das obwohl mein Boot mit Zeltgepäck und Lebensmitteln schwer bela-den ist. Nach dem Krüpelsee wird es ruhiger. Auf der Dahme sind am späten Nachmittag nur noch wenige unterwegs. Ich genieße die Ruhe und hinter Prieros den eingangs geschilderten Traumplatz für die Nacht. Das für Nachmittags angesagte Gewitter entlädt sich erst als ich lange im Schlafsack liege. Pünktlich zum Frühstück lässt der Regen nach und ich kann das feuchte Zelt einpacken ohne weiteres Wasser in die Luken zu laden. Reichlich Trinkwasser habe ich auf dem Lukendeckel gesammelt, so kann ich meine Vorräte schonen. Über den Randkanal erreiche ich den Unterspreewald. Auch hier kaum Boote - sind nun Sommerferien oder nicht? Am Ufer beobachte ich einen Kranich, mittags kreist ein Fischadler über mir. Etwas abenteuerlich wird es an den Schleusen. Zum Umtragen gibt es hier nur eine steile Betontreppe - mit dem beladenen Boot als Einzelfahrer ein fast unüberwindliches Hindernis. Kaum besser allerdings das Schleusen. Ich verstaue das Paddel auf dem Oberdeck und klettere mit der Bootsleine an einer der Leitern nach oben. Der Rest ist einfach - nur dass ich zuletzt auch von der Leiter wieder ins Kajak einsteigen muss. Für Ungeübte ist das nichts! Naja, Ungeübte sollten ohnehin nicht allein paddeln! Am Gasthaus Petkampsberg beschließe ich den Tag mit heißer Dusche und preiswertem Essen - So wird mein Boot nicht leichter… Beim Einschlafen höre ich am gegenüberlie-genden Ufer einen Biber knabbern. Doch als ich die Kamera ausgepackt habe, beginnen meine Zelt-nachbarn laut zu reden und der Biber verschwindet. Um neun Uhr am nächsten Morgen sitze ich im Boot. Von Anfang an begleiten mich Eisvögel auf meinem Weg. Über Zerniasfließ, Schiwastrom und den Puhlstrom verlasse ich den Spreewald. Bei der Doppelschleuse in Leibsch verhindert eine Brücke das Hineinziehen meines Bootes. Zum Glück schleust mich ein Motorbootfahrer, der gerade in die entgegengesetzte Richtung unterwegs ist. Auf der Schleuse diskutieren einige Schweizer Radfahrer über die Funktionsweise. Ich revanchiere mich und schleuse nun das Motorboot. Mit Hilfe der Schweizer und meiner langen Bootsleine bergen wir auch gleich noch die Verholstange für eines der Schleusentore, die einer unserer Vorgänger ins Wasser hän-gen lassen hatte. Den Neuendorfer See durchquere ich zügig, um die stündlichen Schleusenzeiten in Alt-Schadow einzuhalten. Eine gute Idee, da die Umtragestrecke gerade mit schweren Maschinen er-neuert wird. Allerdings muss die riesige alte Schleuse für mich allein eine Menge Wasser bewegen. Einsam und heiß zieht die Spree in Richtung Osten. In Briescht finde ich eine alte Holz-Zugbrücke. Sie ist statisch in einem weit besseren Zustand als die Betonbrücke wenige Meter weiter. Hier erwarte ich fast den Einsturz zu erleben. Ab dem Glower See ist es mit der Ruhe vorbei. Zahllose Motorboote, z.T. mit Wasserskiläufern sind hier unterwegs. Auch die vielen in der Jübermannkarte verzeichneten Biwakplätze sind alle von sonnenbadenden Yachtfahrern und Anglern belegt. So wird meine Tour heute deutlich länger als geplant. Doch der Einsatz wird belohnt: Kurz vor Beeskow finde ich einen herrlichen Platz am Ufer! Raus aus Boot und Klamotten, rein in kühlende Wasser! Während ich schwimme, legt neben meinem „Sockeye“ ein Motorboot an. Der Fahrer fragt, warum ich denn hier bade und nicht im See hinter dem Wald. Hier gebe es Wasserratten, vor denen er sich sehr fürchte. Ich bin selber Wasserratte, Bisame schrecken mich wenig. Umso mehr freue ich mich über die vielen Flussmuscheln und springenden Fische vor meinem Lager. Der nächste Tag führt mich wieder nach Norden. In der Schleuse Beeskow, die ich gerade rechtzeitig erreiche, begegnen mir zwei Berliner Senioren. Auf der folgenden Strecke beeindrucken sie mich durch ihr hohes, konstantes Tempo. Ich kann sie bald nur noch auf sehr langen, geraden Abschnitten am Horizont sehen. Die Schleuse Neubrück fordert dem Einzelpaddler wieder alles a: Ein Brücke ver-hindert das Durchziehen, die Leiter ist schmal und steil. Dafür gibt es eine interessante Tortechnik zu bestaunen: Die Tore werden von den Seiten per Seilzug in die Kammer gezogen. Es folgt der wohl schönste Abschnitt der Rundfahrt: Die Drahendorfer Spree. Immer wieder sehe ich Eisvögel. Einige der Versuche mit der Kamera könnten erfolgreich gewesen sein. (Erst zu Hause am PC stelle ich fest, dass ich auf einem Foto neben dem anvisierten Vogel noch zwei weitere mit erwischt habe). In Drahendorf muss ich feststellen, dass ein einem Rod meines Bootswagens ein Ventil abgerissen ist: Folge des Umkarrens in den Gleisen der für mich zu schweren Wagen. Ich zerre mein Boot ums Wehr - wie gut, dass ich PE fahre. Der folgende Abschnitt auf dem Oder-Spree-Kanal ist wenig erfreulich. Passend beginnt es leicht zu regnen. Spät erreiche ich, fast zeitgleich mit zwei Gruppen, die Kanustati-on in Hangelsberg. Obwohl es eng wird, bleibe ich und werde durch Kontakt zu einer netten Schwei-zer Kanadiergruppe belohnt. Der Älteste ist bereits 82, was man ihm nicht ansieht. In der Nacht gibt es kräftigen Regen. Nach der 60-Kilometer Tour verschlafe ich das gründlich. Morgens bin ich dafür um acht Uhr als erster auf dem Wasser. Ich will noch einmal etwas Strecke fahren. In der Müggelspree schrecke ich einen Biber auf. Mehrfach begegnen mir Mähboote im Einsatz. Ein herrlicher Flussab-schnitt. Ich setze die Tour durch Neu-Venedig fort. Viele hübsche Häuschen liegen hier an einem Ka-nalnetz und suggerieren Wohlstand. Der große Müggelsee empfängt mich mit viel Wind. Trotz Spritz-decke werde ich nass bis auf die Haut. Anschließend empfängt mich Großstadtflair: Ich erreich Köpe-nick. Dichte Bebauung, S-Bahnen, Spundwände am Ufer - welch ein Kontrast zur Natur der letzten Tage! Über den Langen See und den Seddlinsee schließe ich meine Rundfahrt ab. Da es noch früh ist, bleibe ich nicht auf dem Zeltplatz des LKV Berlin auf dem Seddlinwall, sondern fahre gleich durch bis zu meinem Auto. Hier war ich sicher nicht das letzte Mal! Infos: Karten: Jübermann Gewässeratlas TA 5, wegen der vielen Abzweigungen und Alternativrouten uner-lässlich. Offizielle Zeltplätze und Kanu-Bootshäuser sind rar, Für kleine Gruppen lassen sich aber Al-ternativen finden, sofern man genügend Trinkwasser dabei hat. Die beschriebenen Etappen sind mit bis zu 60 km auf stehendem Gewässer nur für trainierte Fahrer in schnellen Kajaks möglich. Wer es ruhiger mag, sollte deutlich (!) mehr Zeit einplanen. Die meisten Schleusen sind zur Selbstbedienung vorgesehen, andere haben Gleiswagen, ein eigener Bootswagen ist dennoch erforderlich. Auf den Seen kann es bei Wind zu erheblicher Wellenbildung kommen, Schwimmweste nicht verges-sen! Thomas Gleitz, Wunstorf

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