Auf der Suche nach dem Elch, Stora Bergslagstouren, Schweden Juni 2011

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Auf der Suche nach dem Elch Eine Tour auf den Wasserwegen des alten Bergrechts in Mittelschweden Auf der Grenze von Värmland und Dalarna gibt es in Schweden ein Kanurevier, das zu Unrecht noch recht wenig bekannt ist. Petra und ich haben es im Frühsommer 2011 angesteuert und waren begeistert. In einer spannenden Mischung aus Seen, schwachströmenden Flüssen und Kanälen lässt sich eine herrliche Rundfahrt durchführen. Fast überall erwartet man hinter jeder Biegung einen Elch am oft moorigen Ufer. Wir beginnen unsere Tour im „Värmlandsgården“, einem alten Herrenhof, von dem aus jetzt Kanutouren im Revier angeboten werden. Auch mit unserem eigenen Kanadier werden wir herzlich aufgenommen und mit nützlichen Informationen versorgt. Im Internet und der Literatur gibt es nur wenige Hinweise, so sind wir dankbar für alle Hinweise, die wir bekommen können. Nach der Anreise (von Hannover ca. 15 Stunden Fahrzeit, einschließlich der Fähren) genießen wir zunächst einen Sonntag im Värmlandsgården, wo wir unser Gepäck herrichten und die Karten studieren. Ein Buntspecht umfliegt unser Wohnmobil und lässt sich auf den Bäumen vor uns nieder. Am nächsten Morgen beladen wir erstmals unser Boot. Mit den Lebensmitteln für zwei Wochen liegt es tief im Wasser. Erst kurz vor Abschluss der Tour ist ein Laden erreichbar. Bis dahin müssen die Vorräte reichen. Mit dem gut laufenden Boot kommen wir auf dem Wasser zügig voran und erreichen schneller als erwartet die erste Umtragestelle. Eine Kiesrampe ermöglicht es, den Bootswagen unter Wasser zu montieren und das beladene Boot komplett auf die Straße zu ziehen; ein Luxus, den wir nicht überall vorfinden. Begleitet werden wir von einigen laut rufenden Kranichen. Schnell sind wir wieder auf dem Wasser und genießen bei herrlichem Sonnenschein den Ausblick auf einen verschachtelten und Inselreichen See. Wir hängen gleich am ersten Tag einen Abstecher in den südlichen Uvån an. Dort finden wir einen herrlichen Zeltplatz gegenüber einem Moorgebiet. Dort können wir den ganzen Abend lang zwei Kraniche beobachten, die durch das Uferschilf stolzieren. Am zweiten Tag erwartet uns bei Gustavsfors die erste anstrengende Umtragestrecke. Auch wenn der Weg „nur“ einen Kilometer lang ist geht er doch fast durchweg bergauf, was mit dem beladenen Boot in der Sommersonne schon eine Herausforderung ist. Um das nicht schon am Folgetag wiederholen zu müssen, machen wir einen weiteren Abstecher und erkunden den Knon in seiner ganzen Länge und Schönheit. Auch an dem verhältnismäßig großen See stoßen wir auf viele frische Elchspuren, doch sehen lässt sich keiner. Die eigentliche Rundtour geht dann über einen alten Kanal weiter. Diese Kanäle sind als Energiespeicher für die Bergwerke des 17. Jhd. angelegt worden. Noch immer speisen sie über lange Rohrleitungen Kraftwerke. Immer wieder sehen wir noch die Original Holzrohre in Betrieb. Der Kanal zum Naren ist leider weitgehend abgelassen, so dass wir viel früher als erwartet vom Wasser auf den begleitenden Schotterweg wechseln müs-sen. Die Umtragestrecke wird dadurch fast zwei Kilometer länger. Am Naren gibt es eine offizielle Zeltmöglichkeit, von der wir nur den Abfallbehälter nutzen, um dann einen schönen, einsamen Platz am Seeufer anzusteuern. Vom Naren gibt es zwei Möglichkeiten, die Fahrt fortzusetzen, wobei der nördliche Weg ein langes Umtragen ohne Bootswagen erfordert. Das ist uns mit den schweren Tonnen zu mühsam, so karren wir über die Straße direkt in den Bredsjön und von da weiter in den Fjällrammen. Dieser Verbindungweg besteht aus einer Schotterpiste durch den Wald und ist mit vier Kilometern der längste Landtransport der Strecke. An einer Stelle kippt uns der Bootwagen in eine Fahrspur. Dabei drückt ein Dorn in den Schlauch, der Reifen verliert seine Luft. Wie gut, dass wir Flickzeug dabei haben! Auch Fjällrammen und Milsjön lohnen einen Abstecher. Damit kann man den schönsten Teil der nördlichen Route auch kennen lernen. Entlang des schmalen, über zehn Kilometer langen Sees gibt es zahlreiche schöne Lagerplätze. Kanadagänse und Prachttaucher begleiten unsere Tour. Nur der Elch lässt sich nicht sehen. Vom Fjällrammen geht es über Liliendalsälven und Oforsälven erstmals stromab weiter. Allerdings sind die Bäche so klein, dass auch hier mehrere Landtransporte erforderlich werden. Bergab und auf asphaltierten Straßen geht das aber fast von allein. Am Ausfluss des Djuprämsälven finden wir auf weichem Sand einen Zeltplatz inmitten von frischen Elchspuren. Kaum einen Schritt wagen wir ohne Kamera in der Hand, doch während wir dort sind, lässt sich keiner sehen. Die nächste Umtragestelle bringt uns an die Kanustrecke Svartälven. Dort gibt es mehrere fest eingerichtete Kanurastplätze mit Trockentoiletten und teilweise auch Müllabfuhr. Der Älvsjö ist teilweise stark verlandet. Wir bestaunen Blüten im Moos und große Flächen von Sonnentau, die uns bereitwillig Mücken und Fliegen vom Hals halten. In Älvsjöhyttan ist eine alte pferdebetriebene Eisenbahnstrecke wieder hergerichtet worden. In der Saison werden hier wohl Fahrten durch das Bergbaurevier angeboten. Jetzt ist noch alles erfreulich ruhig. Auch die Umtragestrecke ist bequem zu meistern. Vor unserem Zeltplatz am Svartälven tummelt sich den ganzen Abend ein eifriger Biber auf Nahrungssuche. Da es Mitte Juni lange hell bleibt, liege ich die halbe Nacht gespannt am Zelteingang und sehe ihm zu. Im gar nicht winterlichen Vintersjön haben wir den südlichsten Punkt der Reise erreicht. Über den Tvärälven geht es gegen eine sanfte Strömung wieder nach Nordwesten. Der Fluss steckt voller großer Flussmuscheln. Ein Anblick, den man in der Form in Europa nicht mehr oft zu sehen bekommt. Auch Otter soll es hier geben. Elche natürlich auch… Am Nordende des Mögreven ist ein neuer Kanurastplatz eingerichtet worden. Wir sind fast die ersten die ihn nutzen. Noch wächst unter dem Schutzdach frisches Gras. Auf dem Weg nach Lesjöfors hören wir erstmals nach Tagen wieder den Lärm einer befahrenen Straße. Dennoch durchpaddeln wir ein einsames Moorgebiet. Biberburgen und immer wieder auch Elchspuren. Aber wir bleiben allein. Das ändert sich schlagartig in Lesjöfors. Entlang der gut ausgebauten Straße lässt sich das Boot leicht über den Fußweg ziehen, selbst bergauf. Auf halbem Weg kommt uns eine Gruppe Deutscher mit Kanus entgegen. Auf der Höhe ein Supermarkt - aber außer einigen frischen Bananen fürs Müsli brauchen wir jetzt nichts mehr. Am Einstieg lagert eine Gruppe mit rund 50 Jugendlichen. Wie gut, dass ich für die keine Lagerplätze suchen muss! Auf dem Wasser wird es schnell wieder leise. Noch einmal kehren wir ins Reich der Elche und Biber zurück und genießen die Ruhe schwedischer Seen. Aus dem windgeschützten Lesjön gibt es eine kurze Umtragestrecke in den Näsrämmen. Dort erwartet uns kräftiger Gegenwind, vor dem wir uns mehrfach zum Ausruhen in den Schutz kleiner Inseln zurückziehen. Am Westufer ist ein weiterer Ausstieg. Die Sandstraße führt durch ein altes Herrengut. Mit vielen historischen Gebäuden. Oben auf der Höhe steht ein mächtiges Bauwerk. Ein Schild erklärt es als Hochofen aus dem 17. Jhd. Überrest einer einst bedeutenden Eisenschmelze. Zeichnungen zeigen die ursprüngliche Industrieanlage, die Ende des 19. Jhd. unrentabel wurde und zerfiel. Auf dem Wasser folgt eine Kette von Buchten- und Inselreichen Seen, wo wir bald einen schönen Rastplatz mit Sandstrand finden. Im Sand - unmittelbar vor dem Ufer - eine frische Elchspur, noch hat der stetige Wellengang sie nicht wieder mit Sand aufgefüllt. Aber obwohl wir den ganzen Abend gebannt lauschen - während wir dort lagern ist keiner zu sehen. Fliegen und Mücken können wir an diesem Abend direkt an die zahlrei-chen Sonnentaupflanzen auf dem Gelände verfüttern. Vom Lövsjön geht es am nächsten Tag noch einmal über Land zum Östra Sundsjön. Der Weg startet bequem. Wir können den nun deutlich leichteren Kanadier direkt im Wasser auf den Bootswagen schnallen und auf die Straße ziehen. Der Einstieg jedoch ist mit einem 200 Meter langen Fußweg über einen Trampelpfad verbunden. Dort müssen alle Gepäckstücke und das Boot einzeln bewegt werden. Wieder einmal freue ich mich über unser leichtes Boot, das sich gut auf dem Tragejoch bewegen lässt. Der Einstieg ist dann etwas sumpfig, aber wir haben ja Zeit und können uns das Boot an dem einzigen Felsen zurechtrücken, bis das Gepäck wieder verstaut ist. Die letzte Umtragestrecke führt bequem zum Västra Sundsjön. Von hier verabreden wir uns mit Manfred Huchthausen vom Värmlandsgården. Er holt uns am Nordende des Sees ab und erspart uns so den sieben Kilometer langen Landweg. Da wir schneller voran gekommen sind, als ursprünglich geplant, haben wir etwas Zeit übrig. Wir entschließen uns, einen Abschnitt des Svartälven als Tagesfahrt zu gestalten. Bei Gustavsström finden wir an einer Umtragestelle einen Parkplatz für das Auto. Schnell liegt das leere Boot am Seeufer, wir wappnen uns mit Sonnencreme und einer Mittagsration und auf geht es. Der See ist lang, aber schmal, so dass es viel am Ufer zu beobachten gibt. Streckenweise müssen wir sehr aufpassen, weil auch hier die Verlan-dung eingesetzt hat. Am rechten Ufer fahren wir mehrfach Slalom um abgestorbene Baumwurzeln, die knapp über oder knapp unter der spiegelglatten Wasserfläche liegen. Am Ende haben wir doch noch einen Elch gesehen: Er bzw. sie stand in der prallen Mit-tagssonne auf einer kahlgeschlagenen Fläche direkt am Zaun der Autobahn und ließ sich vom Lärm nicht beim Fressen stören. Info: Värmlandsgården, Värmlandsgården 2, SE - 68 391 Hagfors, Tel.: +46 (0) 563 911 11 Mailto: info@varmlandsgarden.com Internet: www.varmlandsgarden.com Positon: N 60° 03.071’ ; E 13° 51.874’ Der Kanuverleiher hat detaillierte Informationen zur Strecke, bietet einen preiswerten Rückholdienst (und Fahrten zu anderen Einsatzstellen) an. Auf der zum Gelände gehörenden Insel können Gruppen preiswert und abgeschieden zelten. Wer es komfortabler mag, kann in Hütten oder im eigenen Wohn-wagen auf dem Gelände stehen. Zum Übernachten unterwegs gilt das schwedische Allmänsrätten, das auch Ausländern das einmalige kostenlose Zelten auf Privatgelände gestattet, sofern bestimmte Regeln eingehalten werden. Geeignete und überraschend saubere Plätze finden sich reichlich. Ein stabiler Bootswagen ist unbedingt erforder-lich. Bei Luftbereifung auch entsprechendes Flickzeug. Das Wasser hat durchweg Trinkwasserqualität. Einige der Seen können bei entsprechendem Wind gefährlichen Wellengang aufweisen. In Schweden besteht Schwimmwestenpflicht.

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