Allaan mit dem Schwan auf der Lahn… 2011

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Allaan mit dem Schwan auf der Lahn…
(für Nicht-Hannoveraner „Alleine mit einem Schwan auf der Lahn“)
„Au, au, Heiner, ich glaube, wir wechseln doch lieber vom Schatten der Bäume auf die
andere Seite der Lahn…“
Die Herbsttouren haben doch ihre Tücken! Bei jedem Windhauch prasseln fröhlich Eicheln,
Kastanien und Bucheckern auf die fleißigen Herbstpaddler oder verschwinden mit einem
lauten „Plunsch“ haarscharf neben uns auf nimmer Wiedersehen im Wasser. Hätten wir
Helme mitnehmen sollen?
Wir haben uns dieses Jahr für den Herbsturlaub die Lahn ausgedacht. Die 2er-Baidarka
wollte nach langer Zeit wieder auf´s Wasser, da unser Wohnmobilausbau sie 6 Monate zum
Nichtstun verdonnert hat. Das Wohnmobil ist halbsweg fertig und darum nichts wie weg!
Die einschlägische Literatur wollte uns vermitteln, dass das Paddeln auf der Lahn bei
schönem Wetter einem Vergleich mit dem Besuch in einem vollen Stadion durchaus stand
hält. Dies wollten wir selber sehen und testen. Also Flussführer eingepackt und los.
Gießen bot sich als Start an, aber da es dort an Übernachtungsmöglichkeiten mangelte,
entschieden wir uns für den Kanuclub Wißmar mit einem sehr schönen Gelände. Eine
Apfelbaumallee wies uns den Weg zum Club.
Am nächsten Morgen kam dann der ersehnte Kontakt mit dem Lahnwasser zustande. Und?
Keine weitere Paddlerseele weit und breit! Wo waren die Massen? Nichts zu sehen – außer
einem einsamen Schwan.
Wir drei machten uns auf nach Wetzlar. Eine sehr gemütliche Tour von 20 Kilometern für den
Anfang, um die schlaffen Armmuskeln nicht übermäßig zu beanspruchen. Zwei
Bootsrutschen in Gießen mit Borstenpass machten mächtig Spaß. Hier musste unser
Schwan passen! Dafür begleiteten uns einige Eisvögel. Und das in der Nähe der Stadt – eine
ganz neue Erfahrung – Fotografieren ließen sie sich natürlich nicht – oder war die Fotografin
zu langsam? Am Nachmitag erreichten wir Wetzlar mit seiner schönen Altstadt und eine
Dom- und Stadtbesichtigung bot sich an.
Am nächsten Morgen wollten wir unsere Beinmuskeln ein wenig testen und entschieden uns
für den Lahnradweg. Wir fuhren den R7 von Wetzlar nach Leun und zurück. Eine
Gesamtstrecke von ca. 30 Kilometern. Traumhaft nah an der Lahn schlängelt sich der Weg
durch wunderschöne Täler.
In der Touristinfo hat man uns auf unsere vorsichtige Anfrage nach Steigungen versichert,
dass der Lahnradweg „potteben“ wäre. Tja, die kleinen Hügel zwischendrin machen den
Einheimischen wohl nichts mehr aus, aber wir „Flachland-Steinhuder-Meer-Umrunder“ waren
hinterher platt! Meine Güte – das Wort Kondition hatten wir irgendwo schon mal gehört…
Drum saßen wir am nächsten Tag wieder im Boot und meisterten die Strecke Wetzlar –
Weilburg mit Bravour. Der Ruderclub in Weilburg empfing uns sehr herzlich mit einem
schönen Bootshaus. Es waren nicht sehr viele Verantwortliche vor Ort, darum erfuhren wir
erst am nächsten Tag, dass wir hier auch hätten übernachten können. Wir konnten aber
unser Boot dort „parken“ und auf dem Wohnmobilstellplatz unter der Altstadt hatten wir es
ebenso gut. Naja, außer, dass die Feuerwehr genau gegenüber war und für diesen Abend
die Feuerwehrkapelle extra für uns ihren Übungsabend von 2 auf 3 Stunden verlängert hat.
Blasmusik vom Feinsten, irgendwie fühlten wir uns mit Naumburg verbunden…sehr
nett…toller Service! ;-) Wir beschlossen spontan, uns diese gastfreundliche Stadt doch
einmal näher anzusehen. Eine sensationelle Altstadt mit einem sehenswerten Schloss und
angrenzendem Schlossgarten begeisterte uns sofort. Und da die Weilburger, wie wir jetzt
wissen, sehr musikalisch sind, gab es in der Schlosskirche auch noch ein Orgelkonzert
mitten am Freitagvormittag dazu. Was will man mehr? Die Schlossverwaltung beschäftigt 44
Gärtner. Sie hatten gerade die Herbstbepflanzung abgeschlossen. Diese gut erhaltene
Anlage mitten in und über der Stadt hat uns sehr begeistert.
Außerdem befindet sich in Weilburg die Ausstellung der originalgetreuen Nachbildund der
Terracotta-Armee in Lebensgröße und einem Teil der chinesischen Mauer. Es lohnt ein
Abstecher!
Als wir von oben auf den Fluss und die Stadt herabsahen, konnten wir unseren weißen
Begleiter schon wieder ausmachen…Merkwürdig…
Samstag packten wir unsere Sieben Sachen und schauten, ob das Boot noch am Ruderclub
lag. Alles klar! Heiner machte sich auf den Weg und brachte unser Auto nach Runkel vor.
Das Versetzen an der Lahn gestaltet sich recht einfach, da die Bahnlinie von der DB und der
dortigen Regionalbahn genutzt wird. Somit hatten wir immer eine gute Verbindung und
konnten spätestens um 11 Uhr auf dem Wasser sein. Aber nach 2 Stunden war von Heiner
immer noch nichts zu sehen! Kurze Zeit später klingelte das Handy. Die Regionalbahn
streikt! So ein Pech. Also über Pattensen-Peine-Paris zurück nach Weilburg und nach knapp
3 Stunden Wartezeit konnten wir die 26 Flusskilometer doch noch angehen.
Der berühmte und 150 Meter lange Tunnel mit der anschließenden Doppelschleuse (ca. 5
Meter Höhenunterschied) wartete schon auf uns. Leider kurbelte sich Heiner einen Wolf, da
die Verleihbootfahrer die Schleusen nicht wieder auffüllten. Dies haben wir an gefühlten 30
Schleusen nur zwei Mal erlebt! Kurzerhand wurde ein neugieriger Fahrradfahrer vom
Lahnradweg mit eingespannt und somit ging es ann doch recht flott. Wenn er dies lesen
sollte, noch einmal recht herzlichen Dank dafür!!! Ich konnte das Ganze von unten
beobachten und fühlte mich alleine in der Schleuse doch recht mulmig. Doch diese
Besonderheit von Schleuse war natürlich ein Muss! Man hätte auch die Lahninsel umfahren
können, aber neee…
Uns erwartete eine herrliche Flusslandschaft mit abwechselnden Felsenmotiven, Burgen und
Schlössern und natürlich unserem Schwan in einer grandiosen Herbstlandschaft. Und ich
betone es gerne noch einmal. Wir waren bis dahin alleine auf dem Fluss. Es hatte etwas
Meditatives…
Trotz der ganzen Verspätungen am Vormittag schafften wir es doch noch im Hellen zum
Campingplatz Runkel, der sich in unmittelbarer Nähe einer großen Burganlage befand.
An manchen Orten fühlte man sich sofort ins Mittelalter versetzt. Wir hatten diese Ortsnamen
noch nie gehört und der Flussführer brachte immer neue hervor! Wir ließen uns überraschen.
Naja, unser Auto wartete schon ungeduldig und so konnten wir die einsetzenden
Nebelschwaden gemütlich von drinnen bei einem heißen Tee beobachten. Wie praktisch!
Am nächsten Morgen brachten wir gemeinsam unser Auto nach Limburg vor und wollten mit
den Fahrrädern zurück nach Runkel. Wir fanden den Kanuclub Limburg auf Anhieb und
trafen dort auf ein Aufäumkommando einer Geburtstagsfeier vom Vorabend. Nachdem wir
mit reichlich Kuchen und netten Worten und einem schönen Standplatz für unser Auto
versorgt wurden, brachte man uns auch noch mit dem Wagen zu unserem Boot zurück. Das
verschlug uns die Sprache! Der Mann war am Vortag 50 geworden – dies will erst mal
verkraftet werden – und dann war da bestimmt auch noch ein klitzekleiner Kater mit im Spiel.
Aber das hat ihn nicht daran gehindert, uns behilflich zu sein. Wir können diesen Verein
seeeehr empfehlen!
Das moderne Bootshaus direkt an der Altstadt entstand aus einer ehemaligen Pumpstation.
Das Gästebuch zeigt, dass schon sehr viele Bekannte aus anderen Kanuclubs begeisterte
Gäste waren. Ich denke, dass der ein- oder andere von uns hier auch schon den Service
genossen hat. Ganz herzlichen Dank noch einmal an dieser Stelle an den KC Limburg. Bei
allem Überschwang sei noch erwähnt: wer in Limburg gerne einheimische Küche genießen
möchte, muss sich auf italienische Küche einrichten. Es gab fast nur italienische Restaurants
in der Altstadt. Für uns ein Rätsel und noch nicht geklärt…
Unsere Fahrradtour verlegten wir dann auf den nächsten Tag und brachten das Auto bis
Balduinstein und radelten zum KC Limburg zurück. Die Strecke von 15 Kilometern auf dem
Wasser ist die trägste der Lahn. Das „Limburger Becken“ lässt das Wasser fast stehen. Da
reichen 15 Kilometer völlig. Hier wurde jetzt für uns geschleust. Und plötzlich war auch unser
gefiederter Freund wieder da! Was der nur an uns fand? Vielleicht imponierte es ihm, dass
mal kein grünes oder rotes Verleihboot seinen Weg kreuzte, sondern ein schnittiges blaues?
Wer weiß?
Am nächsten Morgen lag zäher Nebel über dem Fluss, der Schwan schaute auch ganz
traurig und irgendwie übertrug sich diese Stimmung auf uns. Es war eben unser letzter
Urlaubspaddeltag auf der Lahn. Uns war es gar nicht bewusst, wie schnell die Zeit verflogen
war, doch heute wollten wir noch von Balduinstein bis Obernhof. Dies soll die schönste
Strecke der Lahn sein, denn die Bundesstraße und die Bahn verschwinden hinter den
Hügeln oder im Tunnel. Es war grandios! Stille, glattes Wasser, eine Kastanie gefährlich nah
am Kopf vorbei, plunsch! Und unser täglicher Besucher…
Aber heute hatte er irgendwie schlechte Laune. Ich aber glaube, dass dieser Schwan die
Aufgabe hatte, uns zu verabschieden. In Balduinstein luden wir unser Boot nach ca. 165
Flusskilometern unwiderruflich auf. Der Schwan sah uns zu und passte genau auf, dass alles
seine Richtigkeit hatte. Stolz schwamm er seine Kreise und schien uns sagen: „Kommt bald
wieder“. Wir nickten ihm zu: „Versprochen!“
Christine und Heiner Kölling
(Alle Fotos © Christine Kölling)

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