Wenig Wasser auf dem Allier

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Eine Woche Allier
Wildwasser fahren im Frühjahr, das ist immer schon eine kleine Flucht in den Sommer. Wenn Ostern so spät liegt, wie in diesem Jahr, erst recht. Davon zeugen dann leider auch die Wasserstände…
Von der Wildwassergruppe des Vereins sind nur Manuela und ich übrig geblieben, auch Freunde aus benachbarten Vereinen hatten zwar Interesse, aber keine Zeit. So fuhren wir am Ostersonntag in minimal Besetzung nach Südfrankreich. Irgendwo vor Lyon gab es ein paar Stunden Pause, bei der uns die Nachtigallen in den Schlaf sangen.
Dann ging es weiter nach Chapeauroux. Dort auf dem Campingplatz packten gera-de einige Karlsruher Kanuten ihre Zelte zusammen, ihre Osterfahrt war beendet. Wir setzten die Boote ein und fuhren die landschaftlich schöne Waldschlucht nach Pont d’Alleyras. Der Wasserstand konnte allerdings mit der Landschaft nicht mithalten, so dass wir manchen Felsen anrempelten. Der stufenweise Verlauf des Flusses ließ zahlreiche seeartige Sammelbecken entstehen. Immerhin nach der kurzen Nacht keine nennenswerten technischen Herausforderungen. Das Nachholen des Autos mit dem Fahrrad war dann schon eher eine Herausforderung, fast 20 Kilometer hübsche kleine Bergstraßen musste ich zurücklegen, bevor ich wieder an den Allier herangeführt wurde.
Am zweien Tag befuhren wir die Monistrolschlucht. Diese wird mit Zuschusswasser aus einem Kraftwerk gespeist und soll ganzjährig ausreichend Wasser haben. Der Pegel war zwar nicht üppig, aber tatsächlich erfreulich gut. Mit spritzigen, z.T. unübersichtlichen Stufen führt der Fluss durch diese Schluchtstrecke. Die Kernstelle, den „Weinenden Felsen“, erkannten wir erst von unten. Die angekündigte Walze war allerdings so schwach, dass auch ein direktes Anfahren ungefährlich gewesen wäre. Zwei andere Stellen waren so eng verblockt, dass wir zwar eine Durchfahrt erraten konnten, aber vorsichtshalber zum Besichtigen ausstiegen. Das macht ja auch das Fotografieren leichter. Auch für diese Strecke ist die Radtour eine Herausforderung, zumal mir erst auf halber Höhe einfiel, dass ich das Schloss im Auto gelassen hatte. So musste ich die beiden steilsten Kilometer gleich doppelt fahren.
Nach dem Gespräch mit einigen Engländern wagten wir uns dann auch an die oberen Abschnitte. Hier stehen die Schwierigkeitsgrade 4 und 5 im Flussführer. Bei dem aktuellen Wasserstand erwarten uns zwar enge Verblockungen, aber wenig Wasserdruck. Mit dem auf dem Allier an jeden Schwall anschließenden ausgepräg-ten „Materialsammelstellen“ trauen wir uns das nun auch zu zweit zu. Die sechs Kilometer von St. Etienne erleben wir als sehr abwechslungsreich und spannend zu fahren. Kernstelle ist hier sicher der „Triple Chute“, eine Kette von drei Stufen, wobei die Eingangstufe über einen mächtigen Block führt. Hinten den beiden anderen steht jeweils eine kleine Walze, das sieht bei besserem Wasserstand sicher beeindruckender aus. Der im Internet beschriebene Siphon in dieser Strecke ist gut zu erkennen, allerdings völlig trocken. An dieser Strecke ist auch das Nachholen verhältnismäßig bequem und schnell, so dass wir die Strecke gleich ein zweites Mal fahren. Ohne Besichtigungspausen (und ohne Sicherung) brauchen wir beim zweiten Mal nur gut eine Stunde. Danach meldet sich bei mir allerdings auch die Kondition ab.
Es fehlt nur noch ein Abschnitt, der bis Chapeauroux. Auf diesem Abschnitt erwartet uns am Folgetag eine eng verblockte und steile Passage. Dass dies bei gutem Wasser an Grad 5 heranreicht glauben wir gern, jetzt ist es nur ein Vierer. Auch hier teilt ein Felsen die Eingangsstufe. Ich entschließe mich, rechts herum zu fahren, werde dabei aber auf eine Felsplatte geschoben, von der ich dann rückwärts in die restliche Passage hineinrutsche. Für Experimente ist es mir zu eng, so lasse ich mich einfach weiter treiben. Manuela fährt links herum und kommt so besser zurecht. Bis auf diese Stelle ist der Flussabschnitt leichter und im unteren Teil schon recht breit und sanft, wo dass wir wieder mühsam nach einer ausreichenden Fahrrinne suchen müssen. Ein wenig mehr Wasser wäre schon wünschenswert.
Zum Abschluss der Tour wollten wir eigentlich noch einen ähnlichen Abschnitt der Loire befahren, doch dort ist noch weniger Wasser, so dass wir die Boote gar nicht erst abladen, sondern gleich an die Monistrolschlucht zurückfahren. Beim Rumdaddeln im Kehrwasser legt Manuela dann auch die erste Kenterung dieser Tour ein. Ich bin an dem Tag sehr durchgefroren, da mich eine unerwartete Gewit-terwolke mit einem kräftigen Hagelschauer auf dem Fahrrad eingedeckt hat. Bevor wir dann nach Hause zurückkehren geht es zum Abschluss durch die Ardêcheschlucht. Bevor wir aufs Wasser können, heißt es auch hier kräftig strampeln: 35 Kilometer zeigt der Fahrradtacho, bevor ich von St. Martin aus den Campingplatz am Beginn der Schlucht wieder erreicht habe. Immerhin reicht das Training der vergangenen Tage, um hier einige Rennrad- und Mountainbikefahrer zu überholen. Bei herrlichem Sonnenwetter sind schon einige Leihbootfahrer un-terwegs, doch sie fahren so viel Zick-Zack, dass wir sie auch mit den kurzen Wildwasserbooten leicht überholen.
Thomas Gleitz

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